Die gesellschaftliche Bedeutung der Sichtbarkeit von Künstlerinnen, unabhängig von ihrem Alter, ist heute relevanter denn je. Ausstellungen wie „Unravel“ (Stedelijk Museum), „Mirga-Tas“ (Bonnefantenmuseum), „Radicaal“ (Museum Arnhem) und die Arbeit von Chantal Spit („Cloud“) haben gezeigt, wie aktuell dieses Thema ist.

Künstlerinnen und ihr Einfluss

Meine Arbeit wurde stets vom Einfluss weiblicher Künstlerinnen geprägt. Ich habe das Verständnis der technischen Aspekte ihrer Arbeit stets mit einem Interesse für den historischen und kulturellen Kontext verbunden, in dem sie tätig waren. Künstlerinnen sahen sich in einer von Männern dominierten Kunstwelt und familiären Beziehungen häufig mit strukturellen (sozialen) Hindernissen konfrontiert, und ihre Arbeit und ihr Einfluss wurden lange Zeit unterschätzt oder sogar ignoriert.


Künstlerinnen wie Tamara de Lempicka (großartiges und faszinierendes Leben), Georgia O'Keeffe (Erforschung von Grenzen und Eroberung ihrer Position), Louisa Mattiasdottir (über Schönheit), Suzanne Valadon (weibliche Fauvistin) Helene Schjerfbeck (modernistische Expressionistin) und zeitgenössische Stimmen wie Cecily Brown und Lubaina Himid sind für mich in dieser Hinsicht wichtige Inspirationsquellen.

Stillleben mit Vase (2016), Öl auf Leinwand, 100 × 120 cm.

Künstlerische Vision

In meiner Arbeit bin ich ständig auf der Suche nach Widersprüchen, sowohl in Bezug auf das Thema als auch in Bezug auf Form, Farbe und Material. Meine Werke sind oft von scheinbar alltäglichen Themen inspiriert, wie dem Leben einer jungen Frau, Mutterschaft und Abstraktionen gewöhnlicher oder sogar banaler Objekte.

Ich arbeite bewusst mit Kontrasten. Zum Beispiel, indem ich große, einfache Formen mit einem dynamischen und ausdrucksstarken Einsatz von Ölfarbe kombiniere.

Meine Farbpalette ist kraftvoll und oft unerwartet, was zur Energie und Emotionalität der Arbeit beiträgt. Dadurch werden die scheinbare Einfachheit und Wiedererkennbarkeit meiner Motive durch eine visuelle Intensität herausgefordert, die den Betrachter dazu einlädt, genauer hinzuschauen und mehr zu entdecken, auch durch die Wahl der Materialien wie Holzkohle, Ölfarbe und Bewegung. Große Formate und eine kleine Alltagsgeschichte – sie erzählen etwas über den Optimismus, den Trost und die Schönheit der Malerei.

In meinen jüngsten Arbeiten, in denen ich runde Formen und weichere Materialien wie Pastellkreide bevorzuge, habe ich mich mehr auf Ruhe und noch größere Einfachheit und Abstraktion konzentriert. Meine neueren Ölgemälde zeigen eine Art Nostalgie für die Herangehensweise der Vergangenheit und ein Bewusstsein und eine (erneute) Wertschätzung der Inspiration durch Künstlerinnen, die sich wie ein roter Faden durch mein Œuvre und meine Karriere zieht.

„Pink Room“ – 2018, Öl auf Leinwand, 100 x 120 cm

Die Bedeutung der Materialien

Ölfarbe steht bis heute im Mittelpunkt meiner Arbeit; ein flexibles und formbares Material, das sich unter meinen Händen formen lässt. Ich arbeite auf der Leinwand mit Pinsel, Palettenmesser, Stoffstücken und Holzkohle und baue Schicht für Schicht auf. Nass-in-Nass-Techniken wechseln sich mit trockenen Oberflächen ab, was zu einer reichhaltigen, vielschichtigen Farbhaut führt, in der jeder Strich und jede Linie eine Geschichte erzählt.


Meine Inspiration stammt aus meiner Faszination für Handwerkskunst und Bildsprache. Etwas, das ich vor Jahren in einem Museum gesehen habe, wie beispielsweise die Farbgebung eines anderen Künstlers oder die Aufmerksamkeit der Impressionisten für kleine Themen, kann unerwartet in einer expressionistischen Übersetzung in meiner Arbeit wieder auftauchen. Baselitz' große Holzskulpturen, Barbara Hepworths Skulpturen, naive Gemälde auf einem Flohmarkt oder die Volkskunst Osteuropas, wie beispielsweise Hinterglasmalereien, haben meine Arbeit geprägt.

Diese Vielfalt an Einflüssen schafft ein kontinuierliches Spielfeld, auf dem klassische Meister der Moderne wie Joan Mitchell, Lee Krasner, Helen Frankenthaler, Matisse, Von Jawlensky und Morandi eine herausragende Rolle spielen.

Die Dynamik des Schaffensprozesses – die Explosion der Farben, die Bewegung und die symbolische und monumentale Geste – sind Ausdruck eines ereignisreichen Lebens. Dieses große, kraftvolle Gemälde spiegelt sowohl meine persönlichen Erfahrungen als auch die universellen Themen wider, die ich in meinen (oft weiblichen) Inspirationsquellen erforsche und widerspiegele.

„Ohne Titel“ – 2019, Öl auf Leinwand, 100 x 120 cm

Inspiration geben und empfangen

Seit meinem Abschluss an der Gerrit Rietveld Akademie, beeinflusst von Lehrern wie Charlotte Mutsaers, Selma Trapman und Jan Sierhuis, habe ich meinen eigenen Stil und meine eigene Sprache entwickelt, die weitgehend von Künstlerinnen inspiriert und beeinflusst sind. Diese Stärke hat es mir auch ermöglicht, in meinen verschiedenen Lehrpositionen eine Quelle der Inspiration zu sein.

Und... man erhält viel zurück. Schließlich gibt es nichts Inspirierenderes als das Lehren... Und natürlich die Arbeit mit hochwertigen Materialien!

„Stillleben mit Ball“ – 1991, Öl auf Leinwand, 170 x 190 cm

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