Asphaltum - Royal Talens
Asphaltum - Royal Talens

Asphalt: “und als er hörte, womit sein Braun hergestellt worden war, bereitete er allen Tuben mit dieser Farbe ein ordentliches Begräbnis”

Die Farbe hat ihren Ursprung im alten Ägypten, wo für die Mumifizierung von Verstorbenen unter anderem Asphalt verwendet wurde. Das Wort „Mumie“ ist abgeleitet vom arabischen „Mumya“, dass wörtlich „Bitumen“ bedeutet. Um die Körper für die Ewigkeit zu konservieren, wurden sie mit in natürlichem Asphalt getränkten Leinenbinden umwickelt. Der Asphalt drang bis in das Fleisch und die Knochen ein, färbte alles braun und sorgte für eine ausgezeichnete Konservierung. Mumien von Pharaos und anderen hochrangigen Personen wurden in Gruften beigesetzt, doch Mumien von Menschen aus dem einfachen Volk oder von heiligen Tieren wie Katzen oder Affen verschwanden in Grotten oder im heißen Wüstensand. Es ist nicht bekannt, wer damals auf die Idee kam, aber ab dem 17. Jahrhundert wurden diese Mumien in großem Umfang ausgegraben und nach Europa exportiert. Dort wurden sie in speziellen Mumienmühlen zu Puder vermahlen, welches teils in Farbe, teils in Medikamenten verarbeitet wurde.

„Rache der Mumien”

Nur wenige Menschen wussten von der Herkunft dieses besonderen braunschwarzen Puders. Man erzählt sich, dass ein Künstler aus dem 19. Jahrhundert so schockiert war, als er hörte, dass seine Farbe aus Leichen hergestellt wurden war, dass er seine Farbtuben im Garten begrub und auf diese Weise nachträglich für ein „würdiges“ Begräbnis sorgte. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war der Import ägyptischer Mumien nach Europa so umfangreich, dass sie sogar als Brandstoff für Dampflokomotiven dienten. In Amerika wurden die Leinenbinden als Grundstoff in der Papierindustrie verwendet. Diese Periode dauerte nicht sehr lange, denn unter den Menschen, die mit dem Papier in Berührung gekommen waren, brach eine Choleraepidemie aus. Eine Epidemie, die auf die „Rache der Mumien“ zurückgeführt wurde.

Bildermörder

Asphalt ist eine pechartige Substanz, die nach der Verdunstung flüchtiger Bestandteile von Erdöl, das an die Erdoberfläche gelangt ist, zurückbleibt. Es gibt auf der Erde verschiedene Orte, an denen Asphaltseen vorkommen. Der größte See befindet sich auf Trinidad und ist immer noch eine Quelle zur Gewinnung von natürlichem Bitumen. Im Mittleren Osten wurde Asphalt früher vor allem aus dem Roten Meer gewonnen, in den es in geronnener Form über Erdspalten und heiße Quellen gelangt war. Neben vermahlenen Mumien wurde auch dieser natürliche Asphalt zur Herstellung von Ölfarbe verwendet. Erst wurde Leinöl erhitzt, danach wurde der Asphalt darin aufgelöst.

Asphalt muss eher als ein Farbstoff gesehen werden (in Ölfarbe verwendete Pigmente dürfen sich nicht im Öl auflösen) - mit all seinen negativen Eigenschaften. Farbstoffe haben im Allgemeinen die Neigung zum „Bluten“: Die Farbe dringt durch alle anderen Farbschichten hindurch oder verbreitet sich unbeabsichtigt in der direkten Umgebung, auch wenn die Farbschichten trocken sind. Doch Asphalt bewirkt noch viel mehr! Durch ihn wird der Farbfilm faltig und zieht sich zusammen, bis nur noch wenig von ihm übrig bleibt. Außerdem verhindert Asphalt eine gute Trocknung der Farbe, die dadurch bei Temperaturunterschieden einfach auseinanderfließen kann. Kurz und gut, eine Katastrophe für jedes Ölbild.

Verlässliche Pigmente

Es ist also nicht verwunderlich, dass auf Dauer nach Alternativen gesucht wurde. Vermahlene Mumie und natürlicher Asphalt wurden noch bis Anfang des 20. Jahrhundert für Ölfarbe verwendet, doch beide Grundstoffe sind seither aus den Künstlerfarben verschwunden. Schon seit Generationen wird die Farbe „Asphalt“ im Rembrandt Ölfarbsortiment auf der Basis von modernen und äußerst verlässlichen Pigmenten hergestellt.

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