Oxidrot von Steve Levin

Steve Levin"Während eines Besuchs des De Young Museums vor einigen Jahren blieb ich etwas länger bei einem Stillleben des amerikanischen Malers Harnett hängen, um es einmal gründlich zu betrachten. Das Bild zeichnete sich durch eine unglaublich plastische Wiedergabe von Formen aus, wodurch die dargestellten Gefäße und Flaschen so überzeugend volumetrisch wirkten. Es war deutlich sichtbar, dass Harnett einige Schichten mit dunkleren chromatischen Farben lasiert hatte, um diese tiefen, transparenten und dunklen Farbtöne zu entwickeln. Nach dieser Entdeckung begann ich selbst, die Opakfarben auf meiner Palette mit einer Vielfalt an transparenteren Farben zu erweitern, wann immer ich diese finden konnte. Eine der geeignetsten Farben war Transparentoxidrot von Rembrandt. Für das erdige rote Licht auf einer bestimmten Form kann ich deckendes Venezianischrot verwenden, derweil im Schatten ein Hauch Transparentoxidrot in dunklen, undurchsichtigen Farbtönen für die dazugehörige Wärme sorgt. Mit wechselnden Lasurschichten Oxidrot und Ultramarin kann ich danach auf einfache Weise den richtigen Grad an Wärme oder Kühle an den dunklen Stellen kreieren. In sehr dünnen Lasurschichten aufgetragen ist Oxidrot wirklich unentbehrlich für die subtilen Abstufungen in dunklen Stellen der Hautfarben. Oxidrot ist und bleibt eine der vielseitigsten Farben auf meiner Palette.

Steve Levin, USA, Professor am Williams College in Massachusetts, malt mit Ölfarbe.